Invasive Neophyten können die Biodiversität gefährden, Ökosysteme verändern, die Gesundheit von Menschen beeinträchtigen und Schäden an Landwirtschaft, Infrastruktur und Wirtschaft verursachen. Aus Sicht des Naturschutzes ist vor allem problematisch, dass weniger konkurrenzstarke Pflanzenarten verdrängt werden, wodurch häufig reine Neophytenbestände entstehen.
Gründe dafür sind etwa schnelles Wachstum, fehlende natürliche Feinde oder eine besonders gute Anpassung an veränderte Umweltbedingungen.
Naturschutzrelevant sind neben dem Japanknöterich, der nur von Profis wirksam bekämpft werden kann, vor allem die drei folgenden Arten:
Einjähriges Berufkraut

Die ursprünglich aus Nordamerika stammende Pflanze wurde bereits im 17. Jahrhundert als Zierpflanze nach Europa eingeführt, ist aber erst durch den Klimawandel seit den Nullerjahren bei uns invasiv geworden. Besonders entlang von Wegen kann sie sich leicht ausbreiten. Eine einzige Pflanze produziert 10’000 bis 50’000 Samen. Da diese aber relativ schwer sind, erobert das Berufkraut meist nur wenige Meter pro Jahr. Die Pflanze fühlt sich vor allem in naturschützerisch wertvollen Flächen wie Magerwiesen, Ruderalstandorten und Buntbrachen wohl und bedroht dort die einheimische Flora. Erste Einzelpflanzen sollten unbedingt sofort mit der Wurzel ausgerissen werden! Bestände können nur wirksam bekämpft werden, wenn sie wiederholt (einmal monatlich) und konsequent gejätet werden – mähen fördert das Pflanzenwachstum sogar noch. Da die Samen über Jahre keimfähig bleiben, ist die Bekämpfung über mehrere Jahre nötig.
Kanadische sowie Spätblühende Goldrute

Diese Pflanzen wurden bereits 1645 als Zierpflanze und Bienenweide aus Nordamerika nach England eingeführt. Erste Beobachtungen von Wildpopulationen in Europa stammen aus der Zeit um 1850. Seitdem hat sie sich über den ganzen Kontinent ausgebreitet. Sie kann grosse, dichte Bestände bilden und die einheimische Vegetation verdrängen. Dies liegt vor allem an ihrem unterirdischen Rhizomsystem, das bis zu 100 Jahre alt werden kann. Zudem kann eine einzige Pflanze bis zu 20’000 Samen produzieren, die mit dem Wind verbreitet werden. Sie können bekämpft werden, indem sie mitsamt ihrem Rhizom mindestens zweimal im Jahr ausgerissen werden.
Der Sommerflieder (Buddleja)

Die Pflanze, auch Schmetterlingsstrauch genannt, lockt zwar viele Schmetterlinge an, bietet aber für deren Raupen kaum Nahrung. Die aus China stammende Pflanze kann durch Wind mehrere hundert Meter bis Kilometer weit versamen und rasch verwildern. Vor allem auf Pionierstandorten wie Kiesgruben und Auen bildet sie dichte Bestände und hat damit grosse Auswirkungen auf die Biodiversität. Zurückschneiden bringt kaum etwas, die Pflanze muss ausgerissen- oder ausgepickelt werden.
Was Naturschutzvereine beitragen können
BirdLife Naturschutzvereine können wesentlich dazu beitragen, dass Gemeinden invasive Neophyten wirksam angehen. Sie können politische Prozesse anstossen, mit gutem Beispiel vorangehen und durch Sensibilisierung wichtige Impulse für Naturschutz und Bevölkerung setzen.
Die Bekämpfung invasiver Neophyten gelingt nur mit klarer Planung, ausreichenden Ressourcen und einer engen Zusammenarbeit zwischen Gemeinden, Naturschutzvereine und weiteren Akteuren. Deshalb sollten Naturschutzvereine ihre Kräfte gezielt darauf konzentrieren, Gemeinden zu sensibilisieren, politische Verantwortungsträger zu motivieren und konkrete Massnahmen anzustossen. Wichtig sind dabei eine fundierte Situationsanalyse, die Sensibilisierung von Politik, Werkdiensten und Bevölkerung sowie ein glaubwürdiges eigenes Engagement. Grundlage für eine wirksame Strategie ist ein kommunales Neophyten-Konzept mit klaren Zuständigkeiten und genügend finanziellen Mitteln.
Da die Bekämpfung invasiver Neophyten mit einem hohen Frustrationsrisiko verbunden ist, gilt der Leitsatz: «Lieber weniger, dafür konsequent.» Naturschutzvereinen empfehlen wir deshalb, sich vorrangig auf ökologisch wertvolle Gebiete zu konzentrieren und die noch weitgehend neophytenfreien Flächen zu priorisieren.